Die Musik der Cajuns - Teil 4
Böse Zungen behaupteten, daß der junge Sänger aus dem ländlichen Acadia Parish, der sein Akkordeon in einem Mehlsack transportierte, es nicht besser wußte. Aber das Publikum liebte seine emotionale Musik zu hören. Sein unerwarteter Erfolg lenkte das Interesse auf die kulturellen Werte, um deren Verlust die Cajuns und Kreolen schon gefürchtet hatten. Iry Lejeune wurde zur Hauptfigur in der Wiederbelebung der Cajunmusik und sein plötzlicher Tod 1955 machte ihn zur Legende.
n seine Fußstapfen traten Musiker wie Joe Falcon, Lawrence Walker, Austin Pitre und Nathan Abshire. Sie staubten die lang verbannten Akkordeons ab, spielten wieder die traditionelle Cajunmusik und machten neue Aufnahmen. Das Interesse und die Nachfrage waren vor allem bei den aus dem 2.Weltkrieg heimkehrenden Soldaten vorhanden, die der fremden Kriege und Angelegenheiten müde waren und nichts lieber wollten als sich dem Komfort und der Sicherheit der eigenen Kultur hinzugeben. Ortsansässige Inhaber von Musikgeschäften, wie George Khoury, J.D. Miller, Eddie Shuler und später Floyd Soileau und Carol Rachou legten den Grundstein für eine lokale Plattenindustrie und füllten die Lücke die nationale Plattenkonzerne durch ihre Vernachlässigung der traditionellen Musik zugunsten eines breiten Publikums hinterlassen hatten. Die Wirkung der Wiederauflebung zeigte sich bald, wenn auch sehr verschieden. Cajunmusik hatte langsam aber sicher ein Comeback, allerdings nicht ohne Veränderungen, die sich durch äußere Einflüsse während des vorangegangenen Jahrzehnts herausgebildet hatten. Nathan Abshire spielte Songs wie Roy Acuff‘s „A Precious Jewel“, Marie Falcon und Shuk Richard nahmen eine Übersetzung von William Warren und Arlie Carters „The Wild Side of Life „ auf, mit dem Titel „ Le Côté farouche de la vie“:
You wouldn’t read my letter if I wrote you.
you asked me not to call you on the phone.
But there’s something I wanted to tell you,
So I wrote it in the words of this song.
I didn’t know God made honky-tonk angels.
I should have known you’d never make a wife.
You gave up the only one who ever loved you,
And went back to the wild side of life.
Traditionelle Tanzbands, die manchmal bis zu achtmal die Woche auftraten, entwickelten einen stark arrangierten, ausgezeichnet instrumentierten Stil, wie ihn etwa Aldus Roger‘s Lafayette Playboys und Belton Richard‘s Musical Aces spielten. Mit elektrischen Gitarren und einem E-Bass gaben sie ihrer Musik einen neuen Sound .
Der Erfolg von bekannten Sängern aus Louisiana, z.B. Jerry Lee Lewis und Antoine „Fats“ Domino, die den Durchbruch in die nationale Musikszene schaffen, verleitete in den 50er Jahren auch viele andere Cajunmusiker dazu Elemente des Rock’n Roll zu verwenden.
Lawrence Walker nahm die Songs „Lena Mae“ und „Let’s Rock and Roll tonight“ in englisch auf, ebenso wie seine französischen Cajunklassiker: „Chère Alice“ und „La Valse de Reno“. Cleveland Crochet kam im Januar 1961 mit der Nummer „Sugar Bee“ in den Billboard Hot 100 auf Platz Nr. 80.
Auf der Suche nach dem breiten Publikum, das für eine Profikarriere notwendig ist, nutzten Musiker wie Jimmy C. Newman und Doug Kershaw ihre exotische Cajunherkunft, schweiften aber vom traditionellen Ursprung ab und wandten sich auf ihrem Weg zur Westküste oder nach Nashville einem mehr populären Stil oder der Countrymusik zu.
Zurück zu den Ursprüngen
Um weiterhin ein Ausdruck der französischen Gesellschaft in Louisiana zu bleiben mußte die Cajunmusik wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren.
Der nötige Anstoß dazu kam von der nationalen Folk Music Revival-Bewegung. Alan Lomax hatte sich in den 30er Jahren mit seinem Vater John im Süden Louisianas zum Sammeln von amerikanischen Folksongs für die „Library of Congress“ aufgehalten. Neben der Produktion einer Platte des „Underground“, der nicht offiziellen Musikszene, setzte dieser Besuch eine Kettenreaktion in Gang, die die Wiederbelebung der Cajunmusik unmittelbar beeinflußte. Lomax versuchte die Erhaltung von Amerikas zahlreichen und verschiedenartigen Kulturen anzuregen. In Louisiana hatte er eine lebendige Gesellschaft mit ihrer eigenen in französisch gesungenen Folkmusik vorgefunden. Wie die Appalachen wurde Südlouisiana zum Beweis dafür, daß Gleichschaltung und Entwurzelung aufgehalten werden können.
Der übereifrige Nationalismus des 1. Weltkriegs, der die Schmelztiegelidee unterstützt hatte, forderte eine monolithische amerikanische Kultur, die drohte ethnische und regionale Kulturen durch eine amorphe, massen-produzierte Imitation zu ersetzen. Lomax forderte, daß man diesem „kulturellen Einheitsgrau“ Einhalt gebieten müsse, sonst würde es bald „keinen Platz mehr geben, den es sich lohnt zu besuchen oder zu bewohnen“. Die Louisiana Cajuns stellten eine Alternative dar.
Schon in den 30er Jahren hatten einige Akademiker den Grundstein zur Erhaltung der eigenen Kultur gelegt. Louise Olivier entwickelte eine auf örtliche Verhältnisse zugeschnittene Version der „Works Progress Administration“, in Zusammenarbeit mit dem Louisiana State Universitiy Agricultural Extension Service, der die Erhaltung traditioneller Kultur mit dem Versuch ermutigte einen Markt für die Volkskunst zu schaffen.
1939 veröffentlichte Irene Whitfield, einer der ersten Ansprechpartner von Lomax, ihr Buch „Louisiana French Folksongs“, das immer noch als eine wichtige Sammlung von Cajun-und Kreolenmusik gilt.
In den 40er Jahren enthielt die Dissertation über Vermillion Parish von Elizabeth Brandon an der Université Laval (Quebec) zahlreiche Balladen, und William Owens nahm mit Miss Whitfields Hilfe Folksongs auf. Studenten an State Colleges sammelten in ihren Französischabschlußkursen Lieder und Erzählungen, während sie Material für linguistische Studien des Louisiana-Dialektes zusammentrugen. 1956 trat der Ethnomusikologe Harry Oster der Fakultät für Englisch an der Louisiana State University bei. Oster, ein ruhiger aber sehr energischer Mann, verschrieb sich der Kulturerhaltung im Sinne von Lomax. Er wiederbelebte die verschlafene „Louisiana Folklore Society“ in Vermillion und Evangeline Parish mit Hilfe von ortsansässigen Mitgliedern wie Paul Tate und Revon Reed. Seine Studie, die laufende Entwicklungen ebenso wie die Überlieferungen aus der Alten Welt umfaßte, zeigte die Bedeutung der Cajunmusik. Bedingt durch seine Position in der „National Folk Revival-Bewegung“ sandte Alain Lomax Mitarbeiter, sogenannte Fieldworker aus die Folkmusik sammelten und die Musiker zum spielen ermutigte. Er brachte seine Kollegen beim „Newport Folk Festival“ – Ausschuß dazu, Ralph Rinzler nach Louisiana zu schicken und Ausschau nach französisch singenden Musikern zu halten.
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Geschichte - Teil 5: http://www.akkordeon.de/node/24/
Mit freundlicher Genehmigung von Michael Bentele. www.cajunweb.de
CD: Iry Lejeune: Cajun S Greatest-Definitive Co