Die Musik der Cajuns - Teil 1
Ihre Inspiration ist das tägliche Leben
Im Gegensatz zu der Musik von Profis, die aus kommerziellem Interesse ständig auf der Jagd nach Neuheiten zu sein scheint, schöpft ihre Musik aus der Tradition. Sie erzählt von glücklichen Heimen und verlorenen Liebschaften. Man spürt die Probleme und die Kraft wirklichen Lebens. Sie wird vor allem an Wochenenden gespielt um Erholung von der harten Arbeitswoche zu finden.
Im Louisiana des 18. Jahrhunderts bedeutete das Wort Creole schlicht „Einheimischer“, im Unterschied zu den Immigranten aus Frankreich, Spanien, Deutschland oder Afrika. Heute bezeichnen sich französisch sprechende Weiße in Südlouisiana als „Cajuns“ (abgeleitet von Acadian) und Afroamerikanische französisch sprechende nennen sich „Creolen“ (die Musik der Creolen heisst „Zydeco“).
Zydeco ist eine phonetische Abwandlung des französischen Wortes „Haricot“ (Bohne) zusammengebracht mit einem klassischen Satz: „Les Haricots ne sont pas salés“, d.h. die Bohnen sind nicht gesalzen: Zydeco et pas salé
Woher kamen die Instrumente?
Es ist unklar, ob die akadischen Auswanderer und frühen französischen Siedler Instrumente mit ins koloniale Louisiana gebracht haben. Vor 1780 gibt es keine Erwähnung von Instrumenten in den Inventurlisten der 5 wichtigsten französischen Außenposten (Attakapas, Opelousas, Iberville, Lafourche und St‘ Jacques). Die westliche französische Tradition kannte Blasinstrumente wie das Kornett, Saiteninstrumente wie die Violine (vielle à roue) oder die Drehleier, und Varianten der Dudelsackfamilie wie die „Cabrette“ oder das Biniou (Dudelsack der Bretagne). Die Melodien kamen mit in die Neue Welt, aber jede Art von Instrument war rar-an der Siedlungsgrenze. Trotzdem sie Häuser zu bauen hatten, Felder zu bestellen und die schwere Aufgabe eine neue Gesellschaft zu etablieren, trafen sich die Familien am Abend nach getaner Arbeit, um „Complaintes“ zu singen, lange, a cappella, Lieder mit Geschichten aus ihrer französischen Heimat. Sie erinnerten sich der alten Lieder und erfanden neue, in die sie ihre Erfahrungen in Louisiana einbrachten. Die Siedler sangen Kinderlieder, Trinklieder und Wiegenlieder wann immer sich eine passende Gelegenheit dazu ergab und erfanden Songs zum abendlichen Tanz für „Square- und Round Dancing“. Diese Lieder drückten die Freude und Sorgen des Lebens an der Siedlungsgrenze aus. Sie erzählten von unüberlegten Geschäften und lange zurückliegenden Kriegen, abtrünnigen Ehemännern und herzlosen Ehefrauen. Sie erfüllten die einsamen Nächten in den einfachen Hütten mit Weisheit und Kunst.
Wiederaufbau der Gesellschaft
Innerhalb einer Generation hatten die akadischen Flüchtlinge ihre Gesellschaft wieder so weit aufgebaut, daß sie sich Musikinstrumente anschafften. In einer Bestandsliste von 1780 wird eine Violine aufgeführt und 1785 erwähnt der Bericht eines spanischen Kommandanten einen Geigen- und Klarinettenspieler namens Préjean. Schwierige Instrumente wie Dudelsack oder Drehleier (vielle) waren zu unpraktisch und zerbrechlich, um ein Pionierleben zu überstehen. Die robuste Violine, offen gestimmt mit einer Zweisaiten Bogentechnik gespielt, brachte einen klaren, tiefen Ton hervor, der charakteristisch für viele französische Lieder der Alten Welt war. Bald begannen Fiddler bei Hausfesten (bals de maison) zu spielen, wo man für die überlieferten Tänze die Möbel wegräumte, um Platz zu schaffen für die zahlreichen Verwandten und Nachbarn. Die beliebtesten Musiker waren die, die am lautesten spielten, also zogen die Fiddler ihren Bogen kräftig über die Saiten und Vokalisten sangen mit schriller, durchdringender Stimme, um den Lärm der Tänzer zu durchdringen. Einige Geiger taten sich zusammen und entwickelten einen typischen Geigenduettstil, wobei einer die erste Stimme übernahm und der andere ihn rhythmisch oder harmonisch unterstützte. Von ihren Anglo-amerikanischen Nachbarn lernten sie die Gigue („jigs“), einen Volkstanz („hoedowns“) und den Virginia-Reigen („Virginia-Reels“), um ihr wachsendes Repertoire anzureichern, das bereits Polkas und Kontratänze („contredanses“), polnische Tänze („varsoviennes“) und Walzer („valses à Deux Temps“) enthielt. Veränderungen im Geigen- und Tanzstil spiegelten die sozialen Umwälzungen in Louisianas neu entstehender Kultur wieder. Dennis McGees „La Valse du vacher“ zum Beispiel, vererbt von irischen, indianischen und akadischen Vorvätern, beschreibt die Einsamkeit eines akadischen Cowboys zu der Melodie einer Mazurka aus Europa, mit deutlichem Einschlag des Blues:
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Geschichte - Teil 2: http://www.akkordeon.de/node/17/
Geschichte - Teil 3: http://www.akkordeon.de/node/20/
Geschichte - Teil 4: http://www.akkordeon.de/node/21/
Geschichte - Teil 5: http://www.akkordeon.de/node/24/
Mit freundlicher Genehmigung von Michael Bentele. www.cajunweb.de